ACO Haustechnik

6. Installation von Abwasserhebeanlagen


Was sind die wichtigsten Punkte, die bei der Wahl des Raums zu berücksichtigen sind?

Zugänglichkeit

Es ist grundsätzlich bei der Planung zu berücksichtigen, dass der Raum für die Installation der Hebeanlage gut zugänglich ist. Zudem ist bei der Raumwahl auch die Gestaltung der Druckleitung der Hebeanlage zu berücksichtigen. Die Druckleitung soll so kurz wie möglich und mit so wenig Umlenkungen wie möglich installiert werden können. Statt 90° Bögen wird die Verwendung von 45° Bögen empfohlen.

Platzbedarf

Die Größe des Aufstellraums muss einen passenden Freiraum für Inspektion und Wartung gewährleisten. Gemäß DIN EN 12056-4 betrifft dies sowohl die Länge wie auch die Höhe des Raumes:

  • Über den Deckeln der Hebeanlage muss sich ein Freiraum von mindestens 60 cm Höhe befinden.
  • Um die Hebeanlage herum muss sich in zwei Richtungen mindestens ein Freiraum von 60 cm befinden.

Raumtemperatur

Grundsätzlich gelten die folgenden Vorüberlegungen zur Raumtemperatur:

  • Je geringer die Raumtemperatur, desto mehr Ablagerungen werden sich im Laufe der Zeit innerhalb der Abwasserhebeanlage ansammeln. Dies erhöht den Reinigungsaufwand. Im schlimmsten Fall können Verstopfungen auftreten. Die gleiche Problematik trifft natürlich auf die angeschlossenen Zulaufrohre zu.
  • Je höher die Raumtemperatur, desto eher könnten sich Auswirkungen auf die Behälterstatik zeigen. Stellt die Raumtemperaturen ein Problem dar, so sind – auch mit Blick auf Brandlasten – Hebeanlagen aus nicht brennbaren Materialien (z.B. Edelstahl) zu bevorzugen.

Es ist nicht möglich hier allgemein gültige Mindest- bzw. Maximaltemperaturen festzulegen. Die Erfahrung zeigt aber, dass Temperaturen von ca. 15 – 35 °C als problemlos zu bezeichnen sind. Darüber hinaus stellt sich auch die Frage, in wieweit Räume mit Temperaturen über 35 °C mit Blick auf Arbeitsstättenrichtlinien überhaupt in Betracht gezogen werden können.


Muss die Hebeanlage an der Bodenplatte befestigt werden?

Zunächst ist die Hebeanlage auf einer ebenen Aufstellfläche zu positionieren. Nachdem die Hebeanlage mit verschiedenen Anschlüssen versehen worden ist (Zuläufe, Druckleitung, Lüftungsleitung), kann eine Bewegung der Hebeanlage während des Betriebs und bei Überflutung nicht ausgeschlossen werden. Daher ist die Hebeanlage bauseitig auf der Aufstellfläche zu befestigen. Alle Hebeanlagen zur freien Aufstellung von ACO Haustechnik enthalten im Lieferumfang passende Befestigungssets.

Es ist darauf zu achten, dass dieses Befestigungssets nicht für Bodenbeläge mit Dünnbettabdichtung geeignet sind. Soll eine Befestigung auf einem Bodenbelag mit Dünnbettabdichtung durchgeführt werden, so sind alternative Befestigungsmethoden zu wählen (z.B. durch geeignete Klebestoffe).


Wie ist die Verrohrung für Zuläufe, Entlüftung und Druckleitung zu gestalten?

Zur Verbindung der Hebeanlage mit der Abflussverrohrung aus verschiedenen Sanitärgegenständen (Duschen, Waschbecken, Toilette, Waschmaschinen, Fettabscheidern) eignen sich mehrere Materialien. Neben Abflussrohren aus PE, PP und PVC können auch Rohrsysteme aus SML und hochwertigem Edelstahl verwendet werden.

Grundsätzlich wird empfohlen, den Anschluss über geeignete Verbinder oder Doppelmuffen so auszuführen, dass eine Demontage der Hebeanlage aus dem Rohrsystem zu einem späteren Zeitpunkt mit einfachen Mitteln durchgeführt werden kann. Weiterhin sind die Bedingungen aus DIN 4060 zu beachten.

  1. Zulaufleitung aus SML Rohr
  2. Entlüftungsleitung aus SML Rohr
  3. Druckleitung aus SML Rohr mit Kombi-Krallen

Bei Rohrleitungsverläufen mit Temperaturschwankungen kann es erforderlich sein, die Rohrleitung zu dämmen bzw. mit einer Begleitheizung zu versehen. Die Notwendigkeit dieser Maßnahmen ist planerisch zu prüfen und sollte immer dann erwogen werden, wenn die Zulaufleitung über längere Strecken durch unbeheizte/frostgefährdete Räume geführt wird.


Wie ist die Entlüftung der Hebeanlage vorzunehmen und warum ist das wichtig?

Alle Hebeanlagen nach DIN EN 12050-1/-2 müssen an Entlüftungsleitungen angeschlossen werden. Die Entlüftungsleitungen sind über Dach zu ziehen oder an bestehende Haupt- oder Sekundärlüftungen anzuschließen.

Eine fehlende Entlüftung der Zulaufleitung kann zu folgenden Problemen führen:

  • In der Hebeanlage kann ein Unterdruck entstehen oder
  • in der Hebeanlage kann ein Überdruck entstehen.

In beiden Fällen kann dies dazu führen, dass das Sperrwasser, welches sich in den Geruchverschlüssen der angeschlossenen Bodenabläufe, Duschrinnen oder Waschbecken befindet, entweder durch den Unterdruck abgesaugt bzw. durch Überdruck aus dem Ablauf hinausgedrückt wird. Als Folge kann Geruchsbelästigung in der an die Hebeanlage angeschlossenen Entwässerungsgegenstände auftreten.

Aus diesem Grund sind alle Hebeanlagen separat zu entlüften. Der Querschnitt der Lüftungsleitung ist gemäß DIN EN 12050-1/-2 (jeweils Ziffer 4.3.3) abhängig von der Abwasserart und dem maximalen Volumenstrom in Litern pro Sekunde der verwendeten Pumptechnik:

Abwasserart

Maximaler Volumenstrom l/s

Mindestquerschnitt der Lüftungsleitung

Fäkalienfreies AbwasserNicht relevant

kein Mindestquerschnitt festgelegt. Falls die Hebeanlage verschlossen ist,

muss eine Lüftung zwingend über das Dach erfolgen (DIN 1986-100)

Fäkalienhaltiges Abwasser

bis 12 l/s

über 12 l/s

DN 50

DN 70 oder größer

Alle Hebeanlagen von ACO Haustechnik verfügen über einen Lüftungsanschluss. An diesen Anschluss wird die Lüftungsleitung angeschlossen.


Was ist bei der Installation der Druckleitung zu beachten, bzw. wie ist diese auszuführen?

Wird die Druckleitung für eine Hebeanlage installiert, so sind folgende Punkte zu beachten:

  • Die Druckleitung ist so kurz wie möglich zu halten.
  • Es sollten so wenig Umlenkungen wie möglich verbaut werden.
  • Umlenkungen sollten mit Rohrbögen 45° oder weniger ausgeführt werden.
  • Die Installation einer Rückstauschleife ist zwingend vorzunehmen.
  • Nach dem Hochpunkt der Rückstauschleife kann die Abwasserleitung drucklos im freiem Gefälle zum Kanal verlegt werden.
  • Für die Druckleitungen kommen nur geprüfte Druckrohre infrage, die mindestens dem 1,5-fachen des Nenndruck der Pumpe und mindestens PN 4 entsprechen müssen
  • Bei längeren Druckleitungen sind größere Rohrdurchmesser empfehlenswert, damit die Rohrreibungsverluste minimiert werden können.

Die Verbindung der Druckleitungssegmente kann auf verschiedene Arten erfolgen, sie ist aber abhängig vom Material der Druckleitung. Die Verarbeitungsangaben der entsprechenden Hersteller sind zu beachten.

Flexibler Anschluss an Druckleitungen (Hebeanlagen Muli Star & Muli Pro)

Die Hebeanlagen des Typs Muli Star und Muli Pro werden alle standardmäßig mit einem integriertem Spezial-Befestigungsstück DN 100 zum elastischen Anschluss der Druckleitung ausgeliefert.

Der standardmäßig mitgelieferte Rundschnurring (1) ermöglicht Anschlüsse von Druckleitungen mit einem Außendurchmesser von 108 – 114,3 mm.

Optional kann hier ein separat erhältlicher Rundschnurring für Druckleitungen mit einem Außendurchmesser von 88 – 90 mm eingesetzt werden.


Steuerung über Schwimmerschalter oder pneumatische Steuerung mit Schaltgerät

Je nach Ausführung werden Hebeanlagen von ACO Haustechnik zur Steuerung der Pumpentechnik entweder mit Schwimmerschaltern oder mit pneumatischen Messeinrichtungen ausgeliefert.

Bei fast allen Hebeanlagen mit Schwimmerschaltern erfolgt der Anschluss der Pumpe an das Stromnetz über den mitgelieferten Stecker, sonst ist hier nichts zu beachten.

Alle Hebeanlagen mit pneumatischer Steuerung verfügen über ein Schaltgerät. Über das Schaltgerät erfolgt die Stromversorgung der angeschlossenen Pumptechnik.

Bei der Festlegung des Montageorts des Schaltgeräts sind folgende Grundsätze zu beachten:

  • Der Aufstellraum muss trocken und frostgeschützt sein.
  • Die Steuerung muss so angebracht werden, dass eine Überflutung ausgeschlossen werden kann.
  • Die pneumatischen Leitungen für Lufteinperlung und Steuerung sind steigend und ohne Abknickungen zu verlegen, ansonsten kann eine zuverlässige Funktion der Pumptechnik nicht gewährleistet werden.

Bezüglich der weitergehenden elektrischen Anschlüsse mit Blick auf Absicherung und Stromversorgung sind die jeweiligen Kenndaten der gewählten Hebeanlage zu beachten.


Zusammenfassung

  1. Zu Wartungs- und Inspektionszwecken ist eine Einbausituation zu wählen, die in mindestens zwei Richtungen einen Freiraum von 60 cm gewährleistet. Über der Hebeanlage muss ein Freiraum von ca. 60 cm vorhanden sein.
  2. Hebeanlagen zur freien Aufstellung können auch vertieft eingebaut werden, es muss für Wartungs- und Inspektionsarbeiten eine Zugänglichkeit wie unter Ziffer 1 beschrieben
  3. Hebeanlagen zur freien Aufstellung sind gegen Bewegungen im Betrieb mit dem mitgelieferten Befestigungsmaterial auf dem Installationsboden zu befestigen. Das mitgelieferte Befestigungsmaterial eignet sich nicht für Bodenbeläge mit Dünnbettabdichtungen.
  4. Hebeanlagen sind über passende Entlüftungsleitungen über Dach zu entlüften. Dadurch wird das Entstehen von Über- oder Unterdrücken in den angeschlossenen Zulaufleitungen verhindert und Geruchsbelästigung durch trockengelegte Geruchsverschlüsse kann ausgeschlossen werden.
  5. Die Druckleitung für die Hebeanlage ist so kurz wie möglich auszuführen und muss zwingend mit einer Rückstauschleife versehen werden. Das Druckleitungsmaterial muss mindestens der Druckstufe PN 4 entsprechen.
  6. Falls vorhanden sind die Betriebsschläuche für Lufteinperlung und pneumatische Pumpenschaltung stets ohne Abknickungen und mit Gefälle zur Hebeanlage zu verlegen.

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